
"Kunst heute zum potenziellen Faktor in der Konstruktion einer neuen Wirklichkeit ; eine Aussicht, die bedeuten würde, dass man Abstand nehmen muss von der Idee einer Transzendenz der Kunst, einer Kunst als Selbstzweck.", Herbert Marcuse, Art in the one dimensional society, op.cit., 116
„20 stops“ ist ein künstlerisches Projekt, das im Rahmen der Arbeitsgruppe NEUstadt situiert ist. Die Gruppe mit VertreterInnen aus Architektur, Kunst und Politik hat sich zum Ziel gesetzt, den Planungsprozess des Kulturraumes Reitschule Kunstmuseum PROGR - Stadttheater mit kreativen Inputs zu begleiten. Damit sind künstlerische, architektonische und politische Projekte gemeint.
Die Arbeitsgruppe NEUstadt vertreten durch Viktor Hirsig (Architekt, PROGR Baukommission und Baugruppe), Anne Aebi (Vorstand Förderverein Reitschule und Grosse Halle), Martin Zulauf (Architekt Werkgruppe agw, Progr Baukommission und Baugruppe), Stéphanie Penher(Stadträtin GB und Planungskommission Stadt), Matthias Kuhn (Stiftungsrat Progr und Musiker), Martin Beutler (Mitautor Planungsstudie Neustadt im Auftrag der Stadt und Firma für soziale Plastik), Susanne Ammann (Administrative Leitung PROGR), Ruth Gilgen (Kommunkation Kunstmuseum Bern)und Jürg Lüdi ( Vorstand Förderverein Reitschule und Künstler) trifft sich seit April 2010 regelmässig im PROGR Hörsaal 262 zum Austausch und zur Koordination der laufenden Ideen und Projekte.
Ein gemeinsames Papier „Wer küsst die NEUstadt? - Berns randständiger Stadtteil soll aufgewertet werden" (Draft) der Arbeitsgruppe liegt der interessierten Öffentlichkeit vor. Die von Bernhard Giger (Leiter Kornhausforum) moderierte lose Podiumsreihe - gestartet mit dem Podium „Wer küsst die Schuetzenmatt?“ im Dezember 2009 und zum Thema „Gegenwartskunst des Kunstmuseums Bern“ 2010 wird fortgesetzt. Im Februar 2011 hat visarte.be ein Tacheles veranstaltet zum Thema Kunst im öffentlichen Raum mit dem Titel "Noch mehr Gerümpel in unseren Strassen?"
Das Konzept der Arbeitsgruppe hat sich das Ziel gesetzt, die bestehenden Kulturräume stärker zu vernetzen und die Durchlässigkeit im Perimeter für die Fussgängerinnen, Velofahrer und ÖV-Nutzerinnen als Quartiernutzer zu verbessern.
Die künstlerischen Interventionen im öffentliche Raum sollen diesen als veränderbar und konstruiert aufgezeigen. Die Eingriffe durch Kunstschaffende sollen den Prozess einer Bewertung des Perimeters in Gang setzten.
Der öffentliche Raum als Konstrukt wird durch verschiedene Parameter bestimmt wie Farb- und Lichtkonzept, Architekturkörper und organische Formen, sowie durch die sozialen Komponenten der Nutzung. Im Rahmen eines Stadt-Planungsprozesses müssen Form und Funktion immer wieder neu überdacht werden. In einer mobilen Gesellschaft spielen auf der bildlichen Ebene Zeichen der Verkehrsführung und Nutzung eine zentrale Rolle. Sie repräsentieren die Regeln wie Bewegung im öffentlichen Raum sanktioniert wird. Dieses Regelwerk steuert die Verkehrsflüsse und somit auch unser Verhalten, wie und wo wir uns bewegen. Durch eine künstlerische Intervention kann dieses Regelwerk, das auf der visuellen Ebene durch einen kollektiven Bildgebungsprozess entstanden ist, verfremdet und hinterfragt werden: Zum Beispiel „Warum ist hier keine Haltestelle?“ Die Irritation durch den künstlerischen Eingriff ermöglicht eine neue Sichtweise auf Bekanntes und macht neue Nutzungen des öffentlichen Raumes denkbar.
Die Arbeit im öffentlichen Raumes hinterfragt die Authenzität oder die angestrebte Zweckmässigkeit und Funktionalität ihrer Repräsentationen.
Als Vertreter der Kunst in der Arbeitsgruppe möchte ich während der vier Jahre meines Aufenthaltes im Förderatelier der Stadt Bern eine Reihe von Interventionen in diesem Perimeter teils selber vornehmen und im Rahmen von „20 stops“ sind weitere Kunstschaffende in den vierjährigen Zyklus eingebunden.
Nach dem Kick off durch die Intervention "no 2- busstop" 2012 soll ein Parcours mit mehreren parallel laufenden Interventionen stattfinden. Das Baugesuch für no 2 wurde durch das Regierungsstatt-halteramt bewilligt. Die Ausstellung "NEUstadt-lab 20 stops" in der Stadtgalerie Bern und dem Projektraum des Kunstmuseums Bern unterstützt vom Amt für Kultur Kanton Bern, der Abteilung Kulturelles der Stadt und der Burgergemeinde Bern öffnet am 15.3.12 und dauert bis 21.4.12.